Alfred, 35, NR und studiert...

Seit ca. Mitte des 20. Jahrhunderts werden die Städte immer grösser, Arbeitswege nehmen zu und das Leben des modernen Menschen wird anonymer. Gleichzeitig wird die Partnerwahl immer schwieriger...

 

Die zunehmende Entfremdung der Gesellschaft bereitet den Boden für eine neue Art der kommerziellen Dienstleistung: Dem Eheinstitut. Wer keine Zeit oder Möglichkeit hat, sich einen passenden Partner zu suchen, überlässt das gern mal für viel Geld den vermeintlichen Profis mit klingenden Namen wie "Institut Juwel" oder ähnlich wohlklingenden Bezeichnungen.


Die kommerzielle Ehe- und Partnervermittlung

Bereits in früheren Jahrhunderten wurden diejenigen entlohnt, die im Auftrag der Familie einen passenden Partner für ihren Sohn oder ihre Tochter gefunden hatten. Richtig gewerbsmäßig wurde die Partnervermittlung in Deutschland aber erst mit der rasant einsetzenden gesellschaftlichen Veränderung nach dem 2. Weltkrieg.

Starre Familiengeflechte lösten sich immer mehr auf und den Singles war es nun möglich, weitestgehend unabhängig ihren Ehepartner selbst zu suchen. Anders als in der Antike und im Mittelalter wurde die Partnervermittlung deshalb auch nicht mehr durch die Eltern beauftragt, sondern durch den Suchenden selbst. 

Diese Freiheit führte zu neuen Problemen: Plötzlich waren bei der Partnersuche Faktoren wie persönliche Selbstsicherheit gefragt. Singles, die dort Probleme orteten, waren (und sind) die primäre Zielgruppe der "professionellen" Ehevermittler: Fachpersonen, die sich Partnervermittler nennen, ohne eine Zerfizierung oder Ausbildung erhalten zu haben. Denn "Partnervermittler" ist keine geschützte Berufsbezeichnung. So darf, zumindest in Deutschland, jedermann und jede Frau ein Büro eröffnen und auf die Jagd der einsamen Herzen gehen.

Eine tolle Versuchung für geschäftstüchtige "Mitmenschen". In den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verdienten sich so viele "Partnervermittler" eine goldene Nase und verschwanden meist so schnell von der Bildfläche, wie sie erschienen waren - um eine Strassenecke weiter das nächste Eheinstitut zu eröffnen. 1972 schliesslich schritt der Gesetzgeber in Deutschland ein und stellte die Dienstverträge einer Ehevermittlung mit Wetten, dem Glücksspiel und  Warentermingeschäften auf eine Stufe. Mit der Folge, dass Honorare aus den "Dienstverträgen" für den Dienstleister nicht einklagbar sind. (Paragraph 656 BGB, Deutschland)

Dem zunehmend schlechten Image stellten sich die seriös arbeitenden Partnervermittler in Deutschland mit der Gründung eines Berufsverbandes entgegen und gaben sich einen Ehrenkodex, zu dessen Einhaltung sich die Mitgliedsfirmen verpflichten. Wer mag, kann sich diesbezüglich unter der Adresse http://www.bvp-berufsverband.de/index.php?Ehrenkodex informieren.

Der Computer kommt...

Mit dem Voranschreiten technischer Entwicklungen hielt auch Kollege Computer den Einzug in die Agenturen. Plötzlich konnte man nicht nur schneller Rechnungen tippen und Werbungen aussenden, sondern auch Informationen zu Kunden in Datenbanken anlegen und so gezielt nach bestimmten Kriterien suchen und so den vermeintlich richtigen Partner einfacher finden.

Das Elektronengehirn, der Computer, sollte es mit dem Traumpartner richten und in den zukunftsgläubigen 80'er Jahren erschienen neben BTX und C64 auch die ersten Bundesweit agierenden Partnervermittler, die aggressiv mit Computerhilfe warben.

Lesen Sie weiter über "V.I.P. Partner" und den Glauben an den Partner aus dem Computer >>>



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