1975: Der erste Hype

"Wir suchen 1000 unverheiratete Leserinnen und Leser, die gern heiraten möchten". So annonciert in den 70'er Jahren die "V.I.P. Partnervermittlung Altmann" in zahllosen Illustrierten.

 

Und wirbt das erste Mal direkt mit dem Computer: Dieser kostenlose Gross-Test "Wer passt zu mir" zeigt den richtigen Weg!

 

Der Spiegel berichtet ausführlich in der Ausgabe 14/1975 [PDF] über das Geschäftsmodell der ersten Stunde.

 

So richtig scheint das damals mit dem "Matching" noch nicht zu klappen...


Partnervermittlung 1.0

Mit der Erfindung des Computers wurde die Partnervermittlung praktisch revolutioniert. Zwar war es in den 1970er und 80er Jahren noch nicht die Zeit für das Internet. Aber die Möglichkeit, bestimmte Vorgänge in der Suche zu automatisieren, machte die Ehevermittlung deutlich effektiver.

Praktisch ohne Aufwand konnten plötzlich ganze Kataloge von Kriterien innerhalb weniger Augenblicke miteinander abgeglichen werden. Der Partnervermittler selbst musste also nur mehr über seinen Kunden, seine Vorlieben und seine Wünsche erfahren und diese Informationen in den Computer eingeben: Der Computer suchte dann automatisch Partner heraus, mit denen es große Übereinstimmungen in den Antworten gab.

So konnten unter mehreren tausend möglichen Partnern auf einen Schlag diejenigen heraus gesucht werden, bei denen die „Chemie“ vermutlich stimmte. Es mussten nur noch die Treffen arrangiert werden und das Glück war im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert: Armors Pfeil wurde elektronisch. Wirklich?

Der elektronische Armor: Fluch oder Segen?

Als die computergesteuerte Partnervermittlung in den 1950er Jahren erstmals ausprobiert wurde, begegnete man dem Ganzen übrigens mit viel Skepsis. Ausgerechnet einer Maschine sollte man seine ganz persönlichen Vorstellungen verraten? Und die sollte dann herausfinden, wer perfekt zu einem passt? Ja, wie soll das denn gehen? Ein Computer hat doch kein Gehirn. Auch wenn man der elektronischen Datenverarbeitung damals noch mit Zurückhaltung begegnete, erregte diese Erfindung natürlich sehr viel Aufsehen - und war gleichzeitig so aufwändig, dass von einem echten Angebot bis in die 70'er hinein kaum eine Rede sein konnte.

Die bunten 80'er

Seit Mitte der 70'er Jahre begannen zunächst vereinzelte Anbieter (Altmann etc.) den Markt mittels massentauglichem Matching-Angeboten zu bearbeiten. So machte es zumindest den Eindruck, aber in Wirklichkeit führte das Ausfüllen eines "V.I.P."-Bogens lediglich zu einer Plausibilitätsprüfung im Computer auf formale Vermittelbarkeit des sich um Ehevermittlung Bewerbenden und dann zu einem Vertreterbesuch. Dieser persönliche Kontakt mit dem Vertreter führte dann in vielen Fällen zu einem Abschluss eines Vermittlungsvertrages.
Die Vermittlungsleistung selbst war noch Lichtjahre von dem entfernt, was wir heute unter "Matching" verstehen:  Denn selbstverständlich konnten Computer der 1980er Jahre noch nicht im Entferntesten das leisten, was ein heutiger Computer kann.

Einige kritische Artikel in der Presse später, verschwand die Werbung für das Modell der Partnersuche per Computer für ein paar Jahre wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung. Partnersuche mit dem Computer war einfach nicht sexy genug und vor allem viel zu teuer. 

Das änderte erst mit der Verbreitung des Heimcomputers und der Erfindung des Internets, das unser Leben von Grund auf umkrempeln sollte.

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